4. Dezember 2015

Adventskalender | #4 Theodor Fontane - Effi Briest

Effi Briest
Theodor Fontane


"Weil es trotzdem sein muß. Ich habe mir´s hin und her überlegt. Man ist 
nicht bloß ein einzelner Mensch, man gehört einem Ganzen an,
und auf das Ganze haben wir ständig Rücksicht zu nehmen, wir sind
durchaus abhängig von ihm.
[...]
Aber im Zusammenleben mit den Menschen hat sich ein Etwas ausgebildet,
das nun mal da ist und nach dessen Paragraphen wir uns gewöhnt haben,
alles zu beurteilen, die andern und uns selbst.
[...]
aber jenes, wenn Sie wollen, uns tyrannisierende Gesellschafts-Etwas,
das fragt nicht nach Charme und nicht nach Liebe und nicht nach Verjährung.
Ich habe keine Wahl, ich muß."


(Fontane: Effi Briest. dtv, Seite 292 und 293)


Nein, heute kommt mal nicht das weite Feld. Für mich ist dieses Zitat aus Fontanes Klassiker eines der gehaltvollsten überhaupt. Jeder von uns tut viele Dinge nur, weil er von der Gesellschaft dazu gedrängt wird. Manche Menschen sind sogar komplett vom Gesellschafts-Etwas durchdrungen. Oder warum wollen die meisten nicht zugeben, dass sie auch mal bis Nachmittags ausschlafen, den Staub unter die Möbel schieben oder einen ganzen Tag lang gar nichts tun?

Kommentare:

  1. Ich mach das gerne lange schlafen und nichts tun, aber putzen nicht. Ich mach einfach nicht das, was man von mir erwartet.

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  2. Ich mach das gerne lange schlafen und nichts tun, aber putzen nicht. Ich mach einfach nicht das, was man von mir erwartet.

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  3. Liebe Susann,

    eine schön gewählte Stelle. Die hab ich mir auch raus geschrieben. Aber mit dem darauf folgenden Satz:

    "Aber im Zusammenleben mit den Menschen hat sich ein Etwas ausgebildet, das nun mal da ist und nach dessen Paragraphen wir uns gewöhnt haben, alles zu beurteilen, die andern und uns selbst. Und dagegen zu verstoßen geht nicht; die Gesellschaft verachtet uns, und zuletzt tun wir es selbst und können es nicht aushalten und jagen uns die Kugel durch den Kopf."

    Geert sagt das mit einer so deutlichen Vehemenz, die für mich eine Schlüsselszene in dem Buch ist. Dass der Mensch sich eben immer aus der Sicht der Gesellschaft sieht und letzten Endes die Regeln sich zu eigen macht.

    Liebe Grüße
    Tobi

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