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16. Oktober 2017

Rezension | Jay Asher – Tote Mädchen lügen nicht

Tote Mädchen lügen nicht
Jay Asher

Der Roman Tote Mädchen lügen nicht wurde im Jahr 2007 veröffentlicht. Geschrieben wurde er von dem US-amerikanischen Jugendbuchautor Jay Asher. Der Roman wurde in über 30 Länder exportiert und Millionen Mal verkauft. Neben dem Buch existiert bereits eine Netflix-Serie. 

Zum Inhalt
Die Highschool-Schülerin Hannah Baker hat Selbstmord begangen. Vor ihrem Tod hat sie 13 Audiokassetten besprochen, auf denen sie die Gründe für ihren Suizid offenlegt. Sie wendet sich damit an die 13 Personen, denen sie nach ihrem Tod noch eine Botschaft überbringen will. Denn diese 13 Personen sollen, laut Hannah, zu ihrem Selbstmord beigetragen haben. Clay ist einer von ihnen und die Geschichte dreht sich auch darum, wie er Hannahs Botschaft aufnimmt.



Meine Meinung
Das Buch hat mich während der kompletten Lektüre in einen ruhigen und deprimierten Zustand versetzt. Am Anfang merkt man das noch nicht so stark, aber je länger man liest, desto mehr kommt man in diesen traurigen Dämmerzustand. Dieses Buch ist also keine gute Lektüre zur kalten Jahreszeit, denn schlechtes Wetter würde diesen Effekt noch deutlich verstärken.
Dennoch war es eine gute Lektüre. Dieses Buch erzählt die Geschichte eines Mädchens, das von der Gesellschaft ausgestoßen wurde und keinen Sinn mehr im Leben sah. Wie oft sagen wir böse Dinge zu anderen ohne genau darüber nachzudenken. Wie oft sticheln und lügen wir. Wir lassen uns oft von der schlechten Laune unserer Mitmenschen mitreißen und lassen unsere eigene üble Laune dann wieder an anderen aus. Und oft stoßen wir Menschen aus oberflächlichen Gründen von uns weg und denken uns nichts dabei.
Hannah Baker ist genau das passiert. Die Gesellschaft hat sie verstoßen. Jeder in ihrem Umfeld hat dazu beigetragen, ihr das Leben zu erschweren. Am Anfang denkt man vielleicht, dass die einzelnen Taten der 13 Personen gar nicht so schlimm seien. Rechnet man diese aber zusammen, erhält man als Ergebnis ein trauriges Mädchen, das sich unverstanden und zurückgestoßen fühlt.
Der Roman zeigt, dass wir unser Verhalten stets reflektieren müssen und dass schlechtes Verhalten nie etwas Gutes hervorbringen kann, sondern nur Hass und Zerstörung.
Letztendlich ist dieses Buch zu empfehlen, aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass es einen psychisch mehr beeinträchtigen könnte, als man denkt.

28. September 2017

Rezension | Das Nibelungenlied

Das Nibelungenlied

Das Nibelungenlied ist ein mittelhochdeutsches Heldenepos, das zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstand. In diesem Werk vereinen sich Stoffe verschiedener Sagenkreise, die wahrscheinlich noch viel älter als das Nibelungenlied sind. Viele werden schon einmal etwas vom Drachentöter Siegfried, Etzel dem Hunnenkönig oder der wunderschönen und starken Königin Brünhild gehört haben. In diesem Werk fließen alle Geschichten um diese und einige weitere Figuren zusammen. 
Wir wissen bis heute nicht, von wem das Nibelungenlied geschrieben wurde. Der Text ist in ca. 37 Handschriften erhalten, die drei Hauptüberlieferungsträger (Die Handschriften A, B und C) wurden im Jahr 2009 ins Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. Trotz dieses hohen Stellenwertes wird das Nibelungenlied heute von eher wenigen Menschen gelesen. Viele kennen sicherlich eher gekürzte oder nacherzählten Ausgaben, wie die von Auguste Lechner. 

Ich habe mich für eine Vorlesung allerdings mit der zweisprachigen Ausgabe von Reclam beschäftigt, da hier die Strophen erhalten wurden und man leicht zwischen der mittelhochdeutschen und der neuhochdeutschen Fassung hin und her springen kann. Ja, der Mittelhochdeutsch-Kurs war nicht ganz umsonst!

Da es mich hier viel zu viel Zeit und Platz kosten würde, den kompletten Inhalt wiederzugeben, verweise ich auf die Wikipedia-Seite zum Nibelungenlied. 

Meine Meinung
Auch wenn ich mich beim Lesen manchmal sehr gelangweilt habe, bereue ich es nicht, die zweisprachige Ausgabe gelesen zu haben. Ich habe mich zwischendurch immer wieder intensiv mit dem Text und der dazugehörigen Sekundärliteratur beschäftigt und habe es so geschafft, die Lektüre einigermaßen interessiert durchzustehen. Empfehlen kann ich die zweisprachige Ausgabe nur denen, die Germanistik studieren oder die bereit sind, sich sehr stark mit dem Text und den Sekundärtexten auseinanderzusetzen. Die nacherzählte Version von Auguste Lechner ist sehr viel leserfreundlicher. Ich habe sie selbst während meiner Schulzeit gelesen und kann diese Ausgabe empfehlen. Jedoch gibt es einen Makel, den diese Ausgabe für mich hat. Lechners Ausgabe erzählt von Siegfrieds Kampf mit dem Drachen, jedoch wird dieser Kampf in der mittelhochdeutschen Fassung nur am Rande erwähnt.  
Ich kann nur sagen: Lest das Nibelungenlied, denn die Geschichte ist eine jener großen Geschichten auf denen alles andere indirekt beruht. Es geht um Konflikte, Kriege, Kämpfe, Intrigen, Liebe, Hass und Verrat. All diese Motive kehren auch heute noch in vielen Romanen auf, da sie untrennbar mit uns Menschen verbunden sind.

4. September 2017

Rezension | Hartmann von Aue – Iwein

Iwein
Hartmann von Aue

Der Iwein ist ein Versroman, der von Hartmann von Aue wahrscheinlich Anfang des 12. Jahrhhunderts geschaffen wurde. Hartmann gilt mit seinen Artusromanen Erec und Iwein als Begründer der deutschen Artusepik. Als Vorlage diente ihm der altfranzösische Yvain von Chrétien de Troyes.

Zum Inhalt
Während eines Pfingstfestes am Artushof hört Iwein die Geschichte einer misglückten Âventiure (ritterliche Bewährungsprobe) des Ritters Kalogreant, mit dem er selbst verwandt ist. Iwein beschließt die Schmach seines Vetter zu rächen. Er macht sich heimlich auf und besteht die Bewährungsprobe (tollkühn), bevor die übrige Hofgesellschaft eintrifft. Er erwirbt dabei Landbesitz und eine wunderschöne Frau namens Laudine. Dann erhält Iwein einen Rat von seinem Freund Gawan: Er soll daran denken, dass ein Ritter auch Rittertaten begehen muss und nicht nur bei seiner Frau zuhause herumhängen kann. Laudine lässt ihn ziehen, jedoch verpflichtet sie ihn, bis zu einem bestimmten Tag zurück zu sein. Allerdings verpasst Iwein den Termin und verliert Ehre und Frau. Nun hat er alles verloren und wird obendrein wahnsinnig. Auch Lunete, der Beraterin Laudines ergeht es nicht besser. Sie hat damals dafür gesorgt, dass Iwein und Laudine zusammenfinden und soll nun für Iweins Vergehen mit dem Leben bezahlen.

Meine Meinung
Ich hätte nie gedacht, dass ich den Iwein so gern haben würde. Die Geschichte ist spannend, der Protagonist liebenswert und es gibt viele kleine Details, die einem das Lesen versüßen. Meiner Meinung nach ist der Iwein das perfekte Einsteigerwerk für alle, die sich mit mittelalterlicher Literatur befassen wollen. 
Es wundert mich, dass dieser Roman nie verfilmt wurde, da er sich dafür sehr gut eignen würde. Es gibt keine langwierigen Passagen, dafür aber viele verschiedene Figuren, die die Geschichte am Leben erhalten und das Werk ist auch nicht zu lang. Also bitte liebe Filmemacher, nehmt euch mal den Iwein vor, er hätte es wirklich verdient!   

6. Juni 2017

Rezension | Bernhard Aichner – Totenhaus

Totenhaus
Bernhard Aichner


Totenhaus ist der zweite Band von Bernhard Aichners Totenfrau-Trilogie. Es sind schon alle drei Bände erschienen, bisher kenne und besitze ich aber nur die ersten beiden Bände. Nachdem mir Band 1 (Totenfrau) sehr gut gefallen hatte, habe ich mich vor ein paar Wochen freudig über diese Fortsetzung hergemacht.

Zum Inhalt
Blum fährt mit ihren Kindern in den Urlaub, um sich von den Strapazen de letzten Zeit zu erholen. Im Urlaub sieht sie durch Zufall eine Frau in einer Zeitschrift, die ihr zum verwechseln ähnlich sieht. Blum kann nicht anders, als den Urlaub abzubrechen und sich auf die Suche nach dieser Frau zu begeben. Auf dieser Suche landet sie schließlich in einem alten Hotel, das nur auf den ersten Blick ein ruhiges Paradies zu sein scheint.


Meine Meinung
Leider konnte mich die Geschichte so gar nicht packen. Obwohl die Geschichte sehr abstrus ist, habe ich sie doch als langweilig empfunden. Blum, mit der ich mich im ersten Teil noch gut identifizieren konnte, wurde mir beim Lesen immer unsympathischer. Ich habe mich zwischendurch oft gefragt, ob sie noch dümmere Dinge tun kann und sie hat dann immer noch schlimmere und fatalere Entscheidungen getroffen. Das Buch ist nicht fesselnd, die Figuren waren mir (bis auf Blums Familie) komplett egal und ich habe alles als komplett widersprüchlich empfunden.
Totenhaus erscheint mir als eine Art Lückenfüller, den ich sicher nicht noch einmal lesen werde.



Achtung: Spoiler 
Der nachfolgende Teil ist für alle, die das Buch schon gelesen haben. 

Die Tatsache, dass Blum unbedingt nach ihrer Schwester suchen muss, kann ich nachvollziehen. Ich hätte sicher auch nicht anders gehandelt. Dass sie aber einem völlig Fremden so schnell so sehr vertraut, dass er einfach alles über sie herausfinden kann, das erscheint mir sehr unglaubwürdig. Blum hat auf mich nie den Eindruck gemacht, als ob sie sich Fremden gegenüber leicht öffnen könnte. 
Auch scheint sie die Situationen, in die sie sich manövriert gar nicht mehr einschätzen zu können. Sie glaubt Ingmar, dass sein alter, kranker Vater sie ohne Hilfe niedergeschlagen und in ein Zimmer in einem anderen Stockwerk bugsiert haben will? Und sie denkt ernsthaft, dass er sie mit den Kindern dann einfach gehen lässt? Jemand, der für mich zum Mörder wird, könnte schon ein Problem damit haben, wenn ich ihn dann einfach mal so verlasse. Vor allem nachdem er schon alle Menschen in seinem Leben für mich umgebracht hat. Ne Blum, is klar...

Herr Aichner, was haben Sie mit meiner Blum gemacht?

6. Januar 2017

Mini-Rezension | Christian Grawe – Jane Austen (Reclam 100 Seiten)

Jane Austen
Christian Grawe

Dieses allerliebste Büchlein hat mir der Nikolaus gebracht. Der Name ist Programm: Es hat ganz genau 100 Seiten Text. Es ist aus der 100-Seiten-Reihe von Reclam und dazu auch noch mein erstes Büchlein aus dieser Reihe. Der Autor und Übersetzer Christian Grawe gibt dem Leser einen überraschend sorgfältigen Einblick in die Welt einer der bekanntesten britischen Schriftstellerinnen.



Dieses Büchlein hat mich Ende letzten Jahres tatsächlich zurück ins Leben eines Dauerlesers geführt. Denn das letzte Jahr war für mich persönlich sehr schwierig, ich habe bis jetzt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Diese Probleme haben mich doch tatsächlich über einen langen Zeitraum vom entspannten Lesen abgehalten. Echte Bücherwürmer wissen, dass das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Aber dieses wirklich sehr gute Büchlein hat mir gezeigt, dass ich es doch noch schaffen kann, ein Buch zu lesen. Und daher will ich nicht länger herumheulen, sondern lieber mit der Rezension beginnen! 💜

Christian Grawe ist nicht nur irgendein Germanist, er ist DER deutsche Jane Austen-Übersetzer. Und als solcher hat er sich lang mit dieser weltbekannten Frau beschäftigt.
An diesem Buch können sowohl Austen-Neulinge als auch verschworene Austen-Liebhaber Gefallen finden. Man erfährt vieles über das Leben Jane Austens. Wo sie gelebt hat, in welchen Kreisen sie verkehrte, wie sie aussah, was sie alles schrieb und sogar wer ihre Feinde waren (Zu meiner Bestürzung ist auch Charlotte Brontë darunter!). Jane Austen ist nicht einfach irgendeine verstorbene Schriftstellerin. Sie und ihr Werk sind zu einer Institution geworden. Es gibt Austen-Verfilmungen, Austen-Liebhaber, Austen-Museen, Austen-Reisen und vieles mehr. Selbst, wenn man nicht vor hat jemals eines ihrer Werke zu lesen, kann einen dieses Buch bereichern. Denn für viele ist sie DIE Schriftstellerin schlechthin und da kann es nie schaden, sich mit ihr zu beschäftigen.
Am Ende gibt Grawe noch eine Empfehlung ab, in welcher Reihenfolge Neulinge die Werke lesen sollten, um Anschluss an Austens Werk zu bekommen. Hier stimme ich ihm nicht wirklich zu, wahrscheinlich deshalb, weil ich ihre Werke in einer anderen Reihenfolge gelesen habe (Und weil ich Emma nicht als so herausragend empfunden habe...). Meiner Meinung nach sollte man sich das Herzstück ihrer Romane, Stolz und Vorurteil, bis zum Schluss aufbehalten, um die Lektüre am würdigsten abzuschließen. Aber diese Entscheidung sollte jeder für sich selbst treffen. Jeder ihrer Romane ist auf jeden Fall die Lektüre mehr als Wert.

25. August 2016

Rezension | George R. R. Martin – Die Herren von Winterfell

Die Herren von Winterfell
George R. R. Martin

Die Herren von Winterfell ist der erste Band der Fantasy-Roman-Reihe Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin. Im englischen Original sind nur fünf Bände erschienen, die deutsche Taschenbuchausgabe erschien allerdings auf zehn Bände verteilt. Die Serie ist allgemein unter dem Titel Game of Thrones bekannt.


Da eine Inhaltsangabe diese Rezension sprengen würde, lasse ich die hier mal weg. Viele haben das Buch eh schon gelesen oder zumindest die Serie gesehen. Und wer nun immer noch nicht weiß, worum es geht, kann sich die Inhaltsangabe auf diversen Internetseiten in allen möglichen Sprachen schnell selbst ergoogeln.

Ich muss noch erwähnen, dass ich die Game of Thrones Serie gesehen habe, bevor ich mit dem ersten Buch angefangen habe. Ich kannte also vorher schon die meisten Charaktere und bin durch die Serie natürlich auch schon beeinflusst.

Da sich die Serie am Anfang noch eher an den Verlauf der Bücher hält, gab es für storymaßig nicht viel Neues. Der Aufstieg zur Ehr war für mich das einzige große Ereignis, das in der Serie großteils ausgelassen wurde. Die angeblich uneinnehmbare Festung, die Heimat der verrückten Lysa. Für mich als Person mit Höhenangst und blühender Fantasie war es kein Zuckerschlecken. Klar, ich bin nicht wirklich mit hinaufgestiegen, aber man fühlt doch immer mit und das war schon sehr unheimlich. 

Martins viel gelobter Erzählstil, der daraus besteht, dass ein neues Kapitel immer wieder aus der Sicht einer anderen Person erzählt wird, hat mich jetzt nicht so vom Hocker gehauen. Der Erzählstil ist flüssig und man bekommt viel vom Inneren der Figuren mit. Allerdings fehlt dem Ganzen das gewisse Etwas. Klar, ich habe die deutsche Übersetzung gelesen und vielleicht ist das im Original nicht so. Aber ich vergleiche Serien im Kopf immer mit der Harry Potter-Reihe, die sich sowohl im Original als auch in der Übersetzung hervorragend flüssig und spannend liest. Bei Martin wirkt es alles mehr wie ein Bericht und ich war beim Lesen manchmal überrascht, dass ich ja gerade ein Kapitel aus der Sicht einer einzigen Figur lese, aber nicht viel von der Figur selbst mitbekomme. 

Die Figuren gefallen mir sehr gut, da ist alles dabei, was eine gute Geschichte in dieser Größenordnung braucht. Wir haben böse, gute, nette, schmutzige, dumme, kluge, alte, junge, seltsame, arme, reiche, lustige, trübsinnige, hassenswerte und liebenswerte Figuren. Es gibt einen Familienvater, der die liebste Figur darstellt, die ich kenne, der aber nichts auf die Reihe bekommt. Dann gibt es da eine junge, naive, verzogene und zutiefst damenhafte Prinzessin. Und ihre Schwester, die das genaue Gegenteil von ihr darstellt. Einen kleinen, unverstandenen Mann, der immer alles falsch macht und zwar nicht, weil er es falsch macht, sondern nur deshalb, weil er nicht so groß und schön wie sein älterer Bruder ist. Und irgendwo, ganz weit weg, lebt auch noch eine Prinzessin, jung und naiv und die überhaupt keinen Plan hat, was noch alles vor ihr liegt. Und dann könnte ich ewig so weitermachen, denn Figuren gibt es in dieser Geschichte genug. Das Ganze spielt ja nun mal recht häufig in Burgen und Städten und da wäre es unlogisch, wenn nicht viele verschiedene Figuren auftauchen würden. Da ist allein schon die Tatsache, dass Khal Drogo hunderte und tausende von Dothraki mit sich führt (was für eine Wortwahl!). Da wäre es doch komisch, wenn nicht wenigstens ein paar von denen Einfluss auf die Geschichte nehmen würden und somit auch näher beschrieben werden. 
Die vielen tollen Figuren machen diese Geschichte so lesenswert und ich finde es schade, dass der Leser nur die Innensicht von einigen wenigen hat. Es wäre doch schön, wenn es in jedem Buch nur ein einziges Kapitel aus der Sicht irgendeiner kleinen, unbedeutenden Figur gäbe. So als Kontrast.

Abschließend kann ich sagen, dass mich Die Herren von Winterfell gut unterhalten hat. Die Geschichte ist gut, die Figuren sind toll und der Erzählstil könnte besser sein. Wenn ich so ein Sternesystem zur Bewertung hätte, wüsste ich nicht, ob ich dem Buch nun 3,5 oder 4 von 5 Sternen geben sollte. Da ich aber kein solches System habe, bin ich fein raus. 

Was mich vor allem am Anfang und zum Ende hin sehr genervt hat, ist das Gewicht des Buches. Es hat schon sehr viele Seiten und auch die Schrift ist nicht zu klein, was ich sehr angenehm fand. Allerdings lässt es sich nicht so leicht beim Lesen in der Hand halten. Und so lese ich nun mal. Ich lege meine Bücher nicht irgendwo ab, ich halte sie immer fest beim Lesen. Und zwar mit einer Hand. Und das war hier definitiv nicht so einfach.

Das ist also meine erste richtige Game of Thrones-Rezension. Fragen, Anregungen und Beschwerden bitte in die Kommentare. Falls ihr nun gar nicht genug von diesem Buch bekommen könnt, könnt ihr auch gerne meine Leseeindrücke, die ich während der Lektüre hier niedergeschrieben habe, durchlesen. Oder ihr lest das Buch einfach (noch mal) selbst.

19. August 2016

Rezension | Bernhard Aichner – Die Schöne und der Tod

Die Schöne und der Tod
Bernhard Aichner

Die Schöne und der Tod ist der erste Teil der Krimireihe um den Totengräber Max Broll, geschrieben von dem Innsbrucker Schriftsteller Bernhard Aichner. 

Zum Inhalt
Max Broll ist Totengräber. Nach dem Tod seines Vaters hat er dessen Job übernommen. Er hebt seine Gräber noch von Hand aus, geht gerne in die Sauna und treibt regelmäßig den Dorfgeistlichen in den Wahnsinn. Eines Tages erhält er einen Anruf von seiner Jugendliebe Emma. Ihre Schwester, ein Model, hat sich umgebracht und nun soll Max sie zur letzten Ruhe betten. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn die Leiche wird nach dem Begräbnis aus dem Sarg gestohlen.

Nachdem ich schon Totenfrau von Aichner gelesen hatte, wollte ich mir für den Sommerurlaub gern wieder einen guten Krimi gönnen. Also habe ich mich wieder für Aichner entschieden. denn immerhin sind wir ja fast Nachbarn und haben sogar die gleiche Schule besucht. Da fühlt man schon eine gewisse Verbundenheit. 
Leider hat mich dieser Krimi enttäuscht. Der Plot ist okay, könnte spannender sein. Der Ort hat mich sehr angesprochen, ich mag solche Dorfgeschichten. Die sind oft schräg und ich kann mich da gut hineindenken, da ich ja selbst vom Dorf komme. Was mich aber sehr enttäuscht hat, sind die Figuren. Viele wirken klischeehaft und platt und ich hatte ständig das Gefühl, dass man sie in jedes andere Krimi-Set auch hätte verfrachten können. Die Figur des Max Broll bricht das Ganze dann öfter mit lockeren Aussagen, die manchmal so gar nicht zur Situation passen wollen, auf. Aber auch diese Figur wirkt auf den zweiten Blick unstimmig. Leider hat mich auch die Auflösung nicht so ganz mitgenommen wie bei Totenfrau.
Beim Lesen stelle ich mir oft in Gedanken vor, wie die Szene, die ich gerade lese, so aussieht. Was die Figuren tun, was sie anhaben usw. Hier kam mir das sehr selten in den Sinn, leider.

Alles in allem würde ich sagen, dass das Buch unterhalten kann, wenn man nicht allzu große Ansprüche hegt. An Blum kommt Broll aber auf keinen Fall heran.

Was mich bei der Max Broll-Reihe vor allem wundert, sind die einfallslosen, fast klischeehaften Titel. Ich frage mich, ob diese Titel von Aichner selbst kommen oder ob da der Verlag mitgemischt hat. Sie klingen reißerisch, aber eben nicht stilvoll. Das sind die Titel der Totenfrau-Trilogie schon um einiges passender und stilvoller.

(Da ich mein Exemplar verschenkt und dummerweise vorher 
kein Foto gemacht habe, muss dieser Post ohne auskommen.
Darüber bin ich allerdings auch nicht sehr traurig,
denn das Cover spricht mich nun so gar nicht an.)






Achtung: Spoiler 
Der nachfolgende Teil ist für alle, die das Buch schon gelesen haben. 

Kommen wir noch einmal zu den Figuren. Der Protagonist, Max Broll, wirkt auf mich schon irgendwie authentisch, allerdings ist er keine Figur, die ich mag. Das finde ich als Leser sehr wichtig, dass ich mich mindestens mit einer Figur identifizieren kann und am besten natürlich mit dem Protagonisten bzw. der Protagonistin. Außerdem stört es mich, dass er angeblich so ein Journalistentalent gewesen sein soll. Der Typ verfügt doch über keinerlei Menschenkenntnis und kann sich anderen gegenüber überhaupt nicht adäquat verhalten. Daher sind seine Beziehungen zu anderen auch von Schweigen und Frust geprägt. Also wie soll gerade er Informationen aus anderen herausbekommen? Ein Mensch ändert sich doch in seinem Leben nicht so dramatisch.
Der Ex-Fusballer Baroni ist da schon eher eine Figur, die ich mögen könnte. Aber für meinen Geschmack ist er zu wenig klischeehaft. Klar, er will singen und lebt getrennt. Da hätte man ruhig etwas dicker auftragen können. So in etwa mit einem gescheiterten Mobelabel oder einem verliebten Model, das ihn stalkt. Außerdem hätte ich gerne mehr Szenen mit Baroni gehabt. Ich könnte ihn mir sogar eher als Protagonist vorstellen als den Broll.
Komplett enttäuscht haben mich  Figuren wie Emma und Tilda. Eine stets unschlüssige Modedesignerin in den besten Jahren, die mal locker flockig für eine Nacht bereit steht und dann auch noch die Jugendliebe von Broll sein soll? Und dann eine in die Jahre gekommene "verwitwete" Kriminalbeamtin, die ja ihren Job erst achso ernst nimmt und dann aber ständig selbst Spuren verwischt? Das ist doch nicht CSI...

Lieber Herr Aichner,
falls Sie das je zu Gesicht bekommen: Es tut mir nicht leid. Ich mag ihre Totenfrau wirklich sehr und werde diese Serie auf jeden Fall weiterlesen. Aber der Broll, neeee den mag ich nicht.

Fragen, Anregungen, Kritik und nicht ernst gemeinte Drohungen bitte in die Kommentare!

19. Juli 2016

Mini-Rezension | Hartmann von Aue – Der arme Heinrich

Der arme Heinrich
Hartmann von Aue

Beim armen Heinrich handelt es sich um eine Verserzählung, die von einem Autor verfasst wurde, über den nur sehr wenig bekannt ist. Es gibt über Hartmann keine urkundlichen Quellen. Alles, was man über seine Person weiß, weiß man aus diversen literarischen Quellen seiner Zeit. Wer nun denkt, dass Hartmann aus dem heutigen Aue kommt, der irrt, denn im Mittelalter gab es viele Orte mit diesem Namen. Hartmann starb vermutlich Anfang des 13. Jahrhunderts.


Zum Inhalt
Heinrich ist ein vorbildlicher Adliger, der an Lepra erkrankt. Er versucht alles Mögliche, um Heilung zu finden, leider vergeblich. In Salerno erfährt er, dass es eine einzige Heilmöglichkeit für ihn gibt: das Herzblut einer Jungfrau. Heinrich sieht ein, dass er sich nicht retten kann und zieht sich auf einen Meierhof zurück. Der Bauer, der den Hof verwaltet, hat Heinrich viel zu verdanken und die ganze Familie bedauert sein Schicksal. Die Tochter des Bauern entwickelt nach und nach eine starke Zuneigung zu Heinrich und beschließt, sich für Heinrich zu opfern, um ihren geliebten Herren zu retten. Heinrich fährt also mit dem Mädchen nach Salerno, damit dieses dort für seine Heilung getötet wird. Ob das Mädel abgeschlachtet wird, erfahrt ihr, wenn ihr das Buch lest ;)


Der arme Heinrich hat mir sehr gut gefallen. Ich habe die Verserzählung im Rahmen eines Uni-Kurses gelesen, daher habe ich mir die "zweisprachige" Ausgabe von Reclam besorgt (Falls man Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch als zwei getrennte Sprachen interpretiert!). Die Geschichte hat mir gefallen. Da war jetzt nichts extrem Spannendes dabei. Also keine feuerspeienden Nonnen oder Killerbienen. Man kann es einfach als solides Werk, das alles nötige enthält, beschreiben. Wir haben einen Helden, dem etwas Schlimmes passiert. Zuneigung, Aufopferung, ein paar Lebensweisheiten und einige unterschwellige Aha-Botschaften. Eine schöne Geschichte zum träumen und freuen :)
Außerdem eignet sich die Geschichte gut für Mittelhochdeutsch-Anfänger. Man kann die neuhochdeutsche Seite zuhalten und hat, wenn man einmal reingekommen ist, nur wenige Verständnisprobleme beim Lesen des mittelhochdeutschen Textes. 

26. Mai 2016

Rezension | Wolfram von Eschenbach – Parzival

Parzival
Wolfram von Eschenbach

Wolframs von Eschenbach Parzival umfasst 24810 Verse und wurde wahrscheinlich zwischen 1200 und 1210 verfasst. Es handelt sich dabei um einen Artus-Gral-Roman. Der Stoff entstammt dem keltischen Stoffkreis um König Artus und seiner Tafelrunde. 

(Herzeloyde und Parzival, Bild-Quelle)

Zum Inhalt
Ähnlich wie beim Tristan werde ich hier nicht die ganze Geschichte des Parzival bringen, das würde diesen Beitrag längenmäßig sprengen. 
Parzival und seine Mutter Herzloyde leben fernab der Zivilisation in der Einöde von Soltane. Eines Tages trifft Parzival auf drei Ritter und erfährt so von der Ritterschaft. Da Parzivals Vater Gahmuret selbst Ritter war und auf einer seiner Âventiuren den Tod fand, wollte die Mutter ihn vor diesem Schicksal bewahren. Nun kommt es aber alles anders als geplant, Parzival verspürt den Drang ein Ritter zu werden und verlässt seine Mutter. Er reitet durch die Welt und trifft auf viele Menschen, so auch auf König Artus. Unterwegs begeht er einige Verfehlungen, die ihn später wieder einholen werden. Außerdem kommt er zur Gralsburg, in der der todkranke Gralskönig Anfortas lebt. Parzival bleibt eine Nacht auf der Gralsburg und verlässt diese wieder. Später erfährt er, dass Anfortas sein eigener Onkel ist und er ihn von seinem Leid hätte erlösen können, indem er ihn nach der Ursache seines Leids fragt. Durch diese Verfehlung lädt Parzival eine weitere große Sünde auf sich. Er schwört dem höfischen Leben ab und zieht als Ritter durch die Lande, um seine Verfehlungen wieder gut zu machen. Nach langer Zeit trifft er auf seinen Halbbruder Feirefiz, den er erst während eines heftigen Kampfes als diesen erkennt. Dann trifft er auch wieder auf die Artusgesellschaft und den Artus-Ritter Gawan. Gawan verließ, als man Parzivals schwere Verfehlung auf der Gralsburg aufdeckte, zusammen mit Parzival den Artus-Hof. Auch er bestritt viele Âventiuren und nun treffen alle wieder zusammen. Parzival erhält auch kurze Zeit später den Auftrag erneut zur Gralsburg zu reiten und den leidenden Anfortas endlich zu erlösen. Das tut er auch wenig später. Anfortas wird geheilt und Parzival wird neuer Gralskönig. 

(Eine ausführliche Inhaltsangabe findest Du im mediaewiki)

Den Parzival habe ich schon einmal gelesen, nämlich während meiner Abendschulzeit. Damals aber als gekürzte Fassung. Nun habe ich mir die zweisprachige Ausgabe von Reclam gegönnt, die ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann. 
Die Geschichte des Parzival hat mir sehr gut gefallen. Durch diesen Versroman bin ich ein kleiner Mittelalter-Fan geworden und will nun auf jeden Fall noch mehr Werke aus dieser Zeit lesen. Beim Parzival handelt es sich nicht einfach um die Geschichte eines Helden, sondern er erzählt uns auf kunstvolle Weise die Geschichte von vier Männern, deren Leben miteinander verknüpft sind. In der Vorgeschichte erfährt man von Gahmuret, der ein tapferer und ruhmreicher Ritter war. Er zeugte auf seinen Reisen zwei Söhne, Feirefiz und Parzival, die später selbst zu großen Ehren kommen sollten. Parzival ist natürlich die Hauptfigur des Romans, allerdings kommt der Roman nicht ohne die anderen drei Helden aus, denn ohne sie wäre Parzival nicht das, was er am Ende des Romans langsam zu werden scheint. Auch Gawan trägt viel dazu bei. Denn er befreit die Frauen des Artushofes und führt sie wieder mit ihren Familien zusammen. Gawan ist meine Lieblingsfigur im Parzival, da er aufzeigt, was Parzival zu einem perfekten Ritter noch alles fehlt. Gawan ist mutig, klug, mitfühlend und er besitzt auch eine Eigenschaft, die Parzival noch fehlt: Er sieht und versteht die Menschen um sich herum und das ist eine wichtige Voraussetzung, um den Menschen wirklich dienen zu können.
Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mir dieser vielschichtige Roman gefallen hat und kann ihn nur weiterempfehlen!

Quelle
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8., völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 2004.

6. Mai 2016

Rezension | Arthur Schnitzler – Fräulein Else

Fräulein Else
Arthur Schnitzler

Fräulein Else ist eine Novelle, deren Erstausgabe 1924 erschien. Der Autor ist Arthur Schnitzler, ein (besonders bei Deutschlehrern) bekannter österreichischer Autor. Schnitzler schrieb unter anderem die bekannte Novelle Leutnant Gustl. 



Zum Inhalt
Else, die Tochter eines Rechtsanwalts aus Wien, befindet sich gerade auf einem Urlaub in Italien, als sie dringende Post von ihrer Mutter erhält. Die Mutter berichtet ihr, dass der Vater eine schwere Straftat begangen hat, nämlich Mündelgelder zu veruntreuen. Von Else wird nun verlangt die nötigen 30.000 Gulden, die ihren Vater vor dem Gefängnis retten können, von dem reichen Kunsthändler Dorsday zu erbitten. Als Else schließlich mit Dorsday redet, willigt er ein, ihr das Geld zu geben. Jedoch knüpft er die Bedingung, Else nackt sehen zu dürfen, an den Erhalt des Geldes. Else befindet sich nun in einer verhängnisvollen Lage: Geht sie auf den Handel ein, verliert sie ihre Ehre. Andererseits verlieren sie und ihre Familie alles, wenn sie es nicht tut.  

Das Fräulein Else ist ein eindrückliches Beispiel für das Beziehungsgeflecht, das uns mit anderen verbindet, aber uns auch genauso einschränkt. Else schwankt zwischen der Verpflichtung ihrer Familie gegenüber und dem Wunsch, ihr Leben selbst zu bestimmen.
Heute würden sich wahrscheinlich viele denken, dass da ja nicht viel dabei sei bzw. dass sie sich ja einfach weigern könnte. Aber man muss auch bedenken, dass Frauen bis vor ein paar Jahrzehnten noch viel stärker von Männern abhängig waren als sie es heute sind. Vor fünfzig oder hundert Jahren konnten Frauen noch nicht bestimmen, wie sie leben wollten, da sie schlicht und ergreifend ohne Vater oder Ehemann keinen Lebensunterhalt hatten. Nicht jede Frau durfte arbeiten und viele haben für ihre geleistete Arbeit nichts oder nur sehr wenig verdient. So ist es nicht verwunderlich, dass Else angesichts ihrer Situation verzweifelt. Denn die ganze Sache kann für sie nur schlecht ausgehen. Beide Wege münden in die Krise. Und sie trägt nicht einmal selbst die Schuld daran, denn ihre Situation ist ausweglos, weil zwei Männer, der Vater und Dorsday, versagen und sie für ihre Zwecke missbrauchen.




Achtung: Spoiler 
Der nachfolgende Teil ist für alle, die das Buch schon gelesen haben. 

Bei der Lektüre stellte sich mir die Frage, wie manche Leser auf die angedeutete sexuelle Spannung, in der sich das junge Mädchen befindet, reagieren. Denn beim Lesen hatte ich schon das Gefühl, dass sie geheime sexuelle Phantasien hegt, diese aber nicht auslebt. Elses Innenleben ist gefüllt mit Verlangen und Begierde, was sich zum Schluss in ihrem Wahn entlädt. Daher denke ich, dass sie sich scheut, Dorsday seinen Wunsch zu erfüllen, weil sie ihn als Person abstoßend findet, nicht aber weil sie sich nicht einem Mann nackt präsentieren würde. Würde sie dies tun, hätte sie es nicht zu hundert Prozent aus eigenen Stücken gemacht, sondern weil ihr Vater es indirekt von ihr verlangt. Hier kommt der Wunsch, sein Leben selbst zu bestimmen, zum Ausdruck. Die Männer zwingen es ihr auf, daher kann sie sich nicht aus freien Stücken dazu entscheiden. Hätte sie ein anderer nicht des Geldes wegen darum gebeten, hätte sie sich vielleicht dazu entschieden. Frauen sollten sich ohne Zwang sexuell ausleben dürfen. Zeigt eine Frau aber nach außen hin, dass sie gewisse Phantasien hat, wird sie leicht als Schlampe oder Flittchen bezeichnet und manche Menschen dichten ihr dann sogar an, dass sie es doch mit jedem tun würde. Auf diesem Gebiet hat die Emanzipation noch keine großen Früchte getragen, da sexuell offene Frauen häufig als Freiwild bzw. schmutzig gelten, sexuell offene Männer dagegen als wundervolle Verführer mit viel Erfahrung.  

27. April 2016

Rezension | Gottfried von Straßburg – Tristan

Tristan
Gottfried von Straßburg

Gottfrieds von Straßburg Tristan entstand um 1210. Über den Autor selbst ist wenig bekannt. Das Werk blieb unvollendet. Es gibt zwei Fortsetzungen anderer Autoren, die ebenfalls im 13. Jahrhundert entstanden sind.

(Gottfried im Codex Manesse, Bild-Quelle)

Zum Inhalt
Da ich hier nicht die ganze Geschichte ausbreiten möchte, bleibe ich bei der zentralen Handlung.
Tristan reist nach Irland, um die schöne Isolde als Braut für seinen Onkel Marke, den König von Cornwall, zu gewinnen. Das gelingt ihm und die Gesandten machen sich mit der schönen Isolde auf den Weg nach Cornwall. Unterwegs passiert dann, was passieren musste: Tristan und Isolde trinken von einem Liebestrank, der eigentlich für Marke und Isolde bestimmt war und verlieben sich ineinander. In Cornwall angekommen heiraten Marke und Isolde. Tristan und Isolde können natürlich nicht ohneeinander und ihr Verhältnis wird schließlich entdeckt. Es beginnt eine Art Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem Paar und König Marke. Marke versucht mehrmals, die beiden in flagranti zu erwischen, gleichzeitig möchte er die Wahrheit aber gar nicht wirklich herausfinden. Als es ihm schließlich gelingt, verlässt Tristan den Hof. Auf seinen Reisen kommt er irgendwann nach Arundel und begegnet wieder einer wunderschönen Frau namens Isolde. Tristan ist hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen. Jedoch steht ihm mit keiner der beiden eine glückliche Zukunft bevor. Die eine will er, aber er kann sie nicht bekommen. Die andere könnte er zu seiner Frau machen, gäbe es die eine nicht.
(Eine ausführliche Inhaltsangabe findest Du im mediaewiki)


Im Gymnasium habe ich bereits das Nibelungenlied und den Parzival gelesen. Das waren aber immer gekürzte Ausgaben und die haben mir damals schon nicht gereicht. Daher habe ich bei den ungekürzten Ausgaben diverser mittelalterlicher Werke gleich mal zugeschlagen und mir einiges gekauft.
Auf den Tristan habe ich mich dann als erstes gestürzt, da mich die Geschichte am meisten angesprochen hat. Man kann dieses Werk natürlich auf viele Arten lesen. Für mich ist es vor allem eine der größten Liebesgeschichten aller Zeiten. Da sind zwei Menschen, die sich so sehr lieben, aber nicht zusammenfinden können. Man kann so richtig schön mitfiebern und mitleiden. Und man kommt als Leser in einen Zwiespalt: Man möchte selbst gern so eine starke Liebe empfinden, die einen mit jemandem verbindet. Andererseits merkt man, dass verliebt zu sein auch ganz schön weh tun kann. Ich denke, dass diese Geschichte universal gültig ist, da die Liebe uns Menschen schon seit vielen Jahrhunderten beschäftigt. Wenn wir einmal alle aufhören sollten zu lieben, dann sind wir auch keine Menschen mehr. Solange wir Menschen auch Menschen bleiben, werden wir uns in solche großen Liebesgeschichten hineinversetzen können und sie gerne lesen und weitergeben. Und das ist gar nicht kitschig, sondern einfach nur menschlich. Und mehr gibt es heute nicht mehr zu sagen :)

27. März 2016

Rezension | James Bowen – Bob, der Streuner. Die Katze, die mein Leben veränderte

Bob, der Streuner
James Bowen

Bob, der Streuner erzählt vom Beginn der Freundschaft von James und Bob, zwei Geschöpfe, deren Leben bis zu ihrem Zusammentreffen alles andere als rosig verlief. Der Titel der Originalausgabe lautet A Street Cat Named Bob, das Buch erschien erstmals 2012. Bob, der Streuner ist auch als E-Book erhältlich. Außerdem hat James Bowen noch weitere Bücher über Bob veröffentlicht. In deutscher Sprache erscheinen die Bücher beim Verlag Bastei Lübbe.  

Klappentext
Als James Bowen den verwahrlosten Kater vor einer Wohnungstür fand, hätte man kaum sagen können, wem von beiden es schlechter ging. James schlug sich als Straßenmusiker durch, er hatte eine harte Zeit auf der Straße hinter sich. Aber dem abgemagerten, jämmerlich maunzenden Kater konnte er einfach nicht widerstehen, er nahm ihn auf, pflegte ihn gesund und ließ ihn wieder laufen. Doch Bob war anders als andere Katzen. Er liebte seinen neuen Freund mehr als die Freiheit und blieb. Heute sind sie eine stadtbekannte Attraktion, ihre Freundschaft geht Tausenden zu Herzen...
(Bowen: Bob, der Streuner. Bastei Lübbe, Köln 2013.)


Zum Inhalt muss ich nicht mehr schreiben, der Klappentext ist sehr gut gewählt. James und Bob, der Straßenmusiker auf Entzug und der abgemagerte, rothaarige Straßenkater. Zusammen versuchen sie, ihr Leben zu meistern und überstehen dabei so manches Abenteuer. 
Als ich das Buch vor einer Woche in den Händen hielt, war ich gerade auf der Suche nach etwas nettem, was man schnell zwischendurch lesen kann. Ich hatte schon viel von Bob gehört und daher kam mir das Buch wie gerufen. Die Übersetzerin Ursula Mensah hat ganze Arbeit geleistet. Es ließt sich sehr angenehm, nach 3 Tagen war ich schon fertig, obwohl ich eher eine sehr langsame Leserin bin.   
Die Geschichte ist einfach nur schön, teilweise auch spannend und kann auch sehr traurig machen. Man schließt die beiden Helden sehr schnell ins Herz. Stellenweise klingt das ganze zwar sehr abstrus und als hätte James Bowen zu viel in seine Beziehung mit Bob hineininterpretiert. Aber wer selbst Katzen hat, der weiß, dass er durchaus nicht übertreibt, wenn er sagt, dass Bob ihm das Leben gerettet hat. Ein Tier kann einem genauso ans Herz wachsen wie ein Mensch. Eine Tier-Mensch-Beziehung kann genauso innig sein wie die unter Artgenossen.
Ich kann das Buch nur weiterempfehlen, da es einfach ein liebes Buch über eine außergewöhnliche Freundschaft ist. Wie viel davon nun tatsächlich wahr ist, kann man sowieso nicht klären. Unterhalten und zum nachdenken anregen kann das Buch auf alle Fälle.

Und wer möchte, kann Bob und James ja mal auf YouTube besuchen.





Kennt ihr eines der Bücher über Bob? Und wenn ja, wie haben sie euch gefallen?




Achtung: Spoiler 
Der nachfolgende Teil ist für alle, die das Buch schon gelesen haben. 

Ein wenig skeptisch habe ich das Buch allerdings schon gelesen, so als Katzenbesitzerin. Bob scheint ein besonderer Kater zu sein, dem es wenig ausmacht von Menschen umringt und betüddelt zu werden. So sind nicht alle Katzen und ich schätze mal, dass die wenigsten Katzen solch ein Gemüt besitzen. Manch ein Leser könnte auf die Idee kommen, dass er oder sie sich auch so einen Bob zulegen könnte. Viele wissen nicht, dass Katzen genauso unterschiedlich wie wir Menschen sind. Menschen, die den Umgang mit Katzen nicht kennen, könnte das Buch auf eine falsche Fährte locken. Denn meine Cosima würde niemals so neben mir im Bus sitzen, wie Bob das im Buch tut. Sie würden panisch flüchten und irgendwann von einem Auto überfahren werden.   

Ich finde, dass das Buch schon etwas von den bekannten Entwicklungsromanen hat. James lernt nach und nach, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Da ist zum Beispiel die Stelle, als Bob vor dem kostümierten Mann davonläuft. Oder die, als er krank wurde. Da hat James es nicht anderen überlassen, etwas zu unternehmen, sondern hat es selbst in die Hand genommen. Später kommt er dann zu der Einsicht, dass er selbst an seinem verkorksten Leben schuld ist. Auch wenn ich denke, dass das Leben immer ein Zusammenspiel von vielen Faktoren ist, denke ich, dass so eine Einsicht zeigt, dass man im Leben einen guten Weg einschlägt. Es war schön, mitzuerleben, wie einer einen solch starken, positiven Wandel durchlebt.   

7. Februar 2016

Rezension | Bernhard Aichner – Totenfrau

TOTENFRAU
Bernhard Aichner

Totenfrau ist ein Thriller, der von dem österreichischen Schriftsteller Bernhard Aichner geschrieben wurde. Es ist der erste Band einer Trilogie. Inzwischen wurde auch schon der zweite Band – mit dem Titel Totenhaus – beim btb Verlag veröffentlicht.

Zum Inhalt
Trotz traumatischer Kindheit hat es Blum geschafft, sich ein schönes Erwachsenenleben aufzubauen. Sie führt ein Bestattungsunternehmen und lebt mit ihrer Familie in einer ansehnlichen Villa. Doch dann ändert sich alles innerhalb weniger Sekunden. Blums Mann stirbt bei einem Verkehrsunfall direkt vor den Augen der Familie. Blum fällt in ein tiefes Loch. Doch dann macht sie eine folgenschwere Entdeckung, die sie am Unfalltod ihres Mannes Mark immer mehr zweifeln lässt. 


Totenfrau ist der erste Thriller, den ich in meinem Leben je gelesen habe. Dieses Genre hat mich bisher nie angesprochen und ehrlich gesagt habe ich mir dieses Buch nur gekauft, weil der Autor und ich doch einiges gemeinsam haben. 

Am meisten hat mich bei diesem Buch die Protagonistin Blum beeindruckt. Sie ist eine Frau, die den Leser vom Prinzip her abstoßen müsste, mit der man sich beim Lesen aber immer mehr identifiziert. Man fängt an, diese Figur gern zu haben und wünscht sich zunehmend, dass alles für sie gut ausgeht. Dieses Gefühl habe zumindest ich bisher bei wenigen Protagonisten erlebt.

Die Geschichte liest sich flüssig, der erwartete Thrill stellt sich an manchen Stellen ganz gut ein. Aichner verwendet kurze Kapitel, was mir ganz gut gefällt. Allerdings sind die vielen Dialoge nicht für jeden Leser ein Vergnügen. Sie kommen nicht als Fließtext daher, sondern werden durch Bindestriche am Zeilenanfang markiert. Beim Sprecherwechsel wird wieder auf einer neuen Zeile angefangen. Da ich ein großer Fan davon bin, wenn es Autoren schaffen, auch längere Dialoge kunstvoll in den Fließtext einzuarbeiten, war diese Art der Schreibweise für mich eher lästig. Vor allem hatte ich manchmal Schwierigkeiten, dem Dialog zu folgen, Teilweise kam ich raus und musste weiter vorn wieder anfangen. Auch kam mir einmal vor, dass sich ein kleiner Fehler beim Sprecherwechsel eingeschlichen hat.

Alles in allem hat mir der Thriller gut gefallen. Wahrscheinlich weil sich bei mir kurz vor Schluss noch ein Aha-Erlebnis eingestellt hat. Normalerweise ahne ich gewisse Dinge schnell und bin dann bei deren Auflösung nicht mehr sehr überrascht. Aichner hat es aber tatsächlich geschafft, mich zu überraschen. Das muss ich diesem Buch wirklich zugute halten. Totenfrau ist ein solides Buch, was bei Fans dieses Genres sicher gut ankommt. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil.  




Achtung: Spoiler 
Der nachfolgende Teil ist für alle, die das Buch schon gelesen haben. 

Im Nachhinein kann man dieses Buch so beschreiben: Eine junge Frau trifft auf jede Menge abartige Männer und eine abartige Frau und weiß sich nicht anders zu helfen, als sich sehr grausam zu rächen. Theoretisch mag man Menschen wie Blum nicht, aber sie wirkt so menschlich, dass sie einfach mögen muss. Vom Schreibstil her wirkt sie kühl und glatt, jedoch tut sie so viel Gutes für die Menschen in ihrer Umgebung, dass man einfach nicht anders kann. Und ich denke, dass die meisten von uns ein Stück weit genauso krank wie Blum sind und dass wir uns alle genauso nach einem erfüllten Leben mit lieben Menschen darin sehnen. Nach einem Mark mit dem das Leben erträglich ist und der einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Und nein, damit meine ich nicht, dass Blums Art der Rache gutzuheißen ist, sondern dass wir alle die Kälte und Härte des Lebens spüren und darum bemüht sind, die Welt ein wenig kuscheliger, bunter oder süßer zu machen. Wir sind alle kleine Blums, die sich nach ein wenig Wärme sehnen. 

Die Figur des Massimo hat mich bis zum Ende nur genervt. Ich dachte immer: Was will der Depp denn nun schon wieder? Dass er auch zur Runde der Irren gehören könnte, ist mir bis zuletzt nicht in den Sinn gekommen. Nun werden sicher viele sagen: Aber das war ja soooo offensichtlich. War es für mich nicht, mehr kann ich dazu nicht sagen. 

Was mich ein wenig irritiert hat, war die Bezeichnung Dreckschwein für die Vergewaltiger und Mörder. Blum tötet diese Männer auf brutale Weise und dann nennt sie sie Dreckschweine? Mir würden da ganz andere Beschimpfungen für diese Typen einfallen...

Bei Kapitel 46 hatte ich wirklich kurze Zeit eine kleine Gänsehaut. Blum befindet sich scheinbar in einer ausweglosen Situation und weiß, dass sie gleich sterben wird. Und dann führt sie in ihrem Inneren noch einmal ein Gespräch mit Mark. Diese Szene hat mich im ganzen Buch am meisten beeindruckt. 

Wie hat euch die Totenfrau gefallen? Schreibt es mir doch in die Kommentare!